Justiz
Maut-Debakel in Deutschland: Prozess gegen Ex-Minister begonnen
21.09.2026, 09:35
Unter großem Medienandrang hat in Berlin ein Prozess gegen den früheren deutschen Verkehrsminister Andreas Scheuer begonnen. Rund sieben Jahre nach dem Pkw-Maut-Debakel steht er wegen des Vorwurfs einer Falschaussage vor dem Landgericht Berlin.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen vor, vor dem Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestags gelogen zu haben. Mitangeklagt ist der ehemalige Staatssekretär Gerhard Schulz.
Die geplante Pkw-Maut war im Juni 2019 vom Europäischen Gerichtshof als rechtswidrig gestoppt worden. Zentraler Knackpunkt war, dass nur Fahrer aus dem Inland für die Maut voll bei der Kfz-Steuer entlastet werden sollten. Der Christdemokrat Scheuer war damals Verkehrsminister.
Der Prozess begann mit der Verlesung der Anklage. Scheuer war am Morgen frühzeitig am Gericht, schon vor dem offiziellen Einlass. Er wollte sich nicht äußern.
Scheuer, der im April 2024 sein Mandat im deutschen Parlament - dem Bundestag - niedergelegt hat, bestreitet den Vorwurf. Sein Mandant trete dem gegen ihn erhobenen Vorwurf «nachdrücklich» entgegen, «zu einer an ihn gerichteten Frage eine unzutreffende Antwort gegeben zu haben», teilte sein Anwalt Daniel Krause auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor Prozessbeginn mit. «Daran hält er fest und wird sich gegen diesen Vorwurf verteidigen», so Krause.
Auch der frühere Staatssekretär Schulz bestreitet den Vorwurf. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt für beide Beschuldigte die Unschuldsvermutung.
Die Berliner Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben gegen beide im April 2022 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer Falschaussage im Untersuchungsausschuss eingeleitet. Grundlage waren nach Behördenangaben mehrere Strafanzeigen von Privatpersonen.
Bislang zwölf Prozesstage
Das Gericht hat bislang insgesamt zwölf Prozesstage geplant. Ein Urteil könnte demnach am 25. November gesprochen werden. Das Gesetz sieht bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor.