Regelschule vs Förderschule
Umfrage: Eltern von Kindern mit Behinderungen für Inklusion
30.06.2026, 14:29
Die allermeisten Eltern von Kindern mit Behinderungen wünschen sich einer Umfrage zufolge für ihre Töchter und Söhne Unterricht an allgemeinen Schulen und nicht an Förderschulen. 82 Prozent von rund 7.500 befragten Müttern und Vätern solcher Kinder sprächen sich gegen getrennte Beschulung aus, berichtete das Deutsche Institut für Menschenrechte in Berlin. Tatsächlich gingen aber 60 Prozent der Kinder auf Förderschulen.
Das sind Schulen, die speziell für Kinder mit Förderbedarf gedacht sind. Das Gegenmodell ist Inklusion in allgemeinen Schulen - also gemeinsames Lernen mit Kindern ohne Behinderung - mit zusätzlichen Hilfen und Personal. Ein solches «inklusives» Bildungssystem gibt die Behindertenrechtskonvention vor, die auch Deutschland 2009 ratifiziert hat. Das Deutsche Institut für Menschenrechte, das vom Deutschen Bundestag finanziert wird, beobachtet die Umsetzung der Konvention.
Politischer Wille gefragt
«Eltern wollen inklusive Schulen», sagte die Leiterin der Monitoring-Stelle des Instituts, Britta Schlegel. «Es braucht den politischen Willen in allen Bundesländern, ein gutes, inklusives Schulsystem zu schaffen und Förderschulen abzubauen.» Die Mittel sollten entsprechend umverteilt werden.
In der Politik argumentiert vor allem die AfD gegen Inklusion, weil Schülerinnen und Schüler in Förderschulen in einem «Refugium» lernen und unterstützt werden könnten. Auch in CDU und CSU gibt es skeptische Stimmen. SPD, Grüne und Linke argumentieren hingegen für Inklusion mit entsprechend verbesserten Bedingungen, so etwa kleineren Klassen.
Die Umfrage im Auftrag des Instituts für Menschenrechte fand nach dessen Angaben zwischen Ende Juli und Anfang Oktober 2025 online statt. Dafür wurden über Schulen und Verbände gezielt Eltern von Kindern mit Behinderungen angesprochen. 7.462 Personen füllten den Bogen mit rund 100 Fragen online aus.