Manöver an der Nato-Ostflanke
Verteidigungsminister will notfalls Soldaten für Litauen verpflichten
22.06.2026, 14:38
Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht den Aufbau der Bundeswehr-Brigade im Nato-Partnerland Litauen auf einem guten Weg. «Alles scheint planmäßig zu verlaufen», sagte der Minister bei einem Besuch in Vilnius nach einem Treffen mit seinem litauischen Amtskollegen Robertas Kaunas in Pabrade. Zugleich räumte Pistorius bei seinem Besuch der ersten Übung der Panzerbrigade 45 ein, dass voraussichtlich nicht alle 4.800 Soldaten freiwillig rekrutiert werden können. Im Zweifel könnte eine Verpflichtung ausgesprochen werden müssen. Die Einsatzbereitschaft habe «höchste Priorität», betonte Pistorius mehrfach.
Die Stationierung der Panzerbrigade in Litauen wurde von der Bundesregierung als Reaktion auf die wachsende Bedrohung durch Russland zugesagt. Sie gilt als zentrales Element zur Stärkung der Nato-Ostflanke und soll zur Abschreckung und Verteidigung des Bündnisgebiets beitragen. Die Truppe soll bis 2027 mit einer Gesamtstärke von rund 4.800 Soldaten und 200 zivilen Mitarbeitern als Kampfverband voll einsatzfähig sein. Bislang sind rund 1.800 Angehörige der Bundeswehr in Litauen stationiert.
Pistorius: Setzen weiter auf Freiwilligkeit
Engpässe gebe es wie im Deutschland gelegentlich etwa bei Fachkräften im IT- und Logistikbereich, aber auch anderen Bereichen. «Wir setzen weiterhin auf Freiwilligkeit und bemühen uns, den Familienangehörigen bestmögliche Bedingungen zu bieten», sagte Pistorius. Auch Kaunas betonte, dass Litauen alles dafür tun werde, um die notwendige militärische und zivile Infrastruktur für deutsche Soldaten zu schaffen.
Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, verwies darauf, dass eine Armee nicht nur durch freiwilligen Dienst funktioniere und Soldaten daran gewöhnt seien. «Wir werden sicherstellen, dass sie ihre Mission zur richtigen Zeit am richtigen Ort erhalten. Und wir werden Ende 2027 einsatzbereit sein. Punkt.», sagte Freuding. Darauf könne sich Litauen verlassen.