Schwülheißes Sommerwetter

Deutschland ächzt unter Hitze - Blitz-Verletzte und Badetote

21.06.2026, 14:01

Zum Start des kalendarischen Sommers kommt Deutschland mächtig ins Schwitzen. Zwischendurch gewittert es. Eine Bilanz des Wochenendes.

Von Christian Thiele, dpa

Selbst in den Nächten kühlt es kaum mehr ab: Pünktlich zum kalendarischen Sommerbeginn hält eine Hitzewelle große Teile Deutschlands fest im Griff. Es sieht nicht danach aus, als ob sich das schwülheiße Wetter so schnell verabschiedet. Am Wochenende gab es bereits die Kehrseite hoher Temperaturen zu spüren: Gewitter entluden sich und hinterließen Schäden. Bei Blitzeinschlägen verletzten sich mehrere Menschen, Feuerwehren rückten zu umgestürzten Bäumen und überfluteten Straßen aus. 

Wie geht es mit den Temperaturen weiter?

Eine Abkühlung ist nicht in Sicht. Bis zu 37 Grad sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Montag und Dienstag voraus, am Mittwoch sogar bis 39 Grad. Schwitzen ist vor allem in der Mitte und im Süden angesagt. Ob im Südwesten in den kommenden Tagen Rekordtemperaturen von mehr als 40 Grad erreicht werden, ist aber noch unsicher. Der DWD warnt zudem vor starker bis teils extremer Wärmebelastung: «Vermeiden Sie nach Möglichkeit die Hitze, trinken Sie ausreichend Wasser und halten Sie die Innenräume kühl.»

Wer es etwas kühler mag, ist im Norden gut aufgehoben - dort werden Spitzenwerte von 24 bis 29 Grad erreicht. Man sollte sich aber sputen: «Ab Wochenmitte deutet sich allerdings an, dass sich die Hitze auch wieder auf den Norden ausdehnt», teilte der DWD mit. «Hinweise auf eine Abkühlung liefert die Modellwelt nach aktuellem Stand frühestens ab kommendem Wochenende.»

Die Gefahr von Blitz und Donner bleibt

Gewitter und Regen könnte es auch in den nächsten Tagen geben. Die Meteorologen schließen nicht aus, dass örtlich Unwetter niedergehen. Polizei und Feuerwehr hatten deswegen bereits am Wochenende in Teilen der Republik viel zu tun: Umgestürzte Bäume beschädigten Autos und Häuser. Flüsse traten über die Ufer, zum Beispiel in Rheinland-Pfalz. Größere Schäden blieben aber aus. Oft musste die Feuerwehr ausrücken, weil es heftig gestürmt hat.

Auf dem Schützenfestgelände in Ostfriesland stürzte ein Baum auf einen Schaustellerwagen, laut Feuerwehr wurde niemand verletzt. Die Feuerwehr aus der Gemeinde Ihlow berichtete von einem Einsatz bei einer Hochzeitsfeier. Dort sei das Zelt einer Hochzeitsgesellschaft durch den Sturm auf ein Scheunendach geweht worden. Von den etwa 50 Feiernden sei niemand verletzt worden.

Bei Gewittern kann es gefährlich werden

Bei Gewittern und Unwettern ist generell Vorsicht angesagt - besonders aber, wenn sie über Großveranstaltungen unter freiem Himmel hinwegziehen. Während eines Sportfestes in Rastatt bei Karlsruhe schlug ein Blitz ein und verletzte neun Menschen. Darunter ist auch eine junge Frau Anfang 20, die schwere Verletzungen erlitt, wie die Polizei mitteilte.

Am Freitagabend wurde das Southside-Festival im baden-württembergischen Neuhausen ob Eck wegen eines Unwetters unterbrochen. Beim Hurricane-Festivals in Scheeßel in Niedersachsen krachte es zunächst nur auf den Bühnen. Dort zog ein Gewitter an den Feiernden vorbei.

In Koblenz musste wegen Unwetter das Festival «Electronic Wine» abgebrochen werden. Ein anderes Festival südlich von Flensburg mit rund 5.000 Besuchern wurde in der Nacht zu Samstag wegen eines Sturms geräumt. Laut Polizei verletzten sich 13 Menschen bei dem Sturm leicht. Im Landkreis Leer in Ostfriesland wurde ein Zeltlager mit etwa 300 Kindern geräumt. 

Mehrere Tote bei Badeunfällen

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ruft angesichts der Hitzewelle dazu auf, die Gefahren beim Baden nicht zu unterschätzen. Immer wieder kommt es zu Vorfällen, so auch in den vergangenen Tagen: In Oberfranken starb ein 24-Jähriger beim Baden in einem See, im Kreis Karlsruhe ertrank ein 23-Jähriger, in Gelsenkirchen sprang ein 16-Jähriger in den Rhein-Herne-Kanal und tauchte nicht wieder auf. Im Rhein in Hessen werden seit Samstag drei Menschen nach Baden im Fluss vermisst.

Und auch das bringt das Sommerwetter

Auf einigen Straßen wie der A13 in Brandenburg oder der A1 bei Bargteheide nördlich von Hamburg gab es wegen der Hitze Schäden an der Fahrbahn. Am Nordstrand der ostfriesischen Insel Norderney ließ sich in der Nacht zu Samstag Meeresleuchten beobachten. Nach einer Beschreibung vom BUND handelt es sich dabei um ein ganz besonderes Naturschauspiel: An Nord- und Ostsee könne ein Massenauftreten winziger, einzelliger Planktonalgen ein blau-grünliches Aufblitzen auslösen. 

Mit Hitze zu kämpfen haben auch andere europäische Länder. Auf der Insel Euböa gab es den ersten größeren Waldbrand des Jahres von Griechenland. Er wurde mittlerweile gelöscht. Hohe Temperaturen hatten zum Beispiel auch Spanien und Frankreich. Die Folgen von Hitze-Unwettern bekamen auch die Nachbarländer Polen und Tschechien zu spüren.

Dabei kann der Sommer so schön sein

In Freibädern suchten Sonnenhungrige nach Abkühlung im Wasser. Eisverkäufer freuten sich über eine größere Nachfrage, nachdem noch Tage zuvor die Temperaturen in einigen Regionen eher kühler waren. Und wer am Samstagabend das WM-Spiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste draußen verfolgte, konnte sich ohne Jacke und kalte Füße über den Sieg der DFB-Elf freuen. Schüler dürften in den nächsten Tagen auf Hitzefrei hoffen. In einigen Bundesländern steht die letzte Schulwoche vor den Sommerferien an.