Altersvorsorge
Deutscher Ökonom: Renten-Vorschlägen fehlen «Mut und Konsequenz»
21.06.2026, 14:04
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die Vorschläge der Rentenkommission für unzureichend. «Die Reformvorschläge der Rentenkommission gehen in die richtige Richtung, bleiben jedoch insgesamt zu vorsichtig», sagte der Ökonom «Rheinischen Post». «Den Reformvorschlägen fehlen Mut und Konsequenz, denn sie ändern auf absehbare Zeit nichts Grundlegendes an den drei größten Problemen: der hohen Altersarmut, der zu starken Belastung der jungen Generation und der Schieflage bei der Gerechtigkeit.»
Fratzscher sieht «viele kluge und richtige Elemente», etwa die Erhöhung des Renteneintrittsalters, die Einführung einer kapitalgedeckten Rente und eine Reduzierung von Frühverrentungen. Es fehle der Kommission dabei aber der Mut, notwendige Veränderungen konsequent und zügig umzusetzen. Zudem würden die Vorschläge «nichts Grundlegendes an der hohen und wohl weiter steigenden Altersarmut ändern».
Politik soll nachbessern
Die zentralen Vorschläge der Rentenkommission waren am Samstagabend bekanntgeworden, offiziell vorgestellt werden sollen sie am Dienstag. Das Rentenalter soll nach Informationen aus der Kommission künftig mit der Lebenserwartung steigen. Ein Teil der Rentenbeiträge soll künftig am Aktienmarkt angelegt werden. Wegfallen sollen den Empfehlungen zufolge der frühere Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren, bekannt als «Rente mit 63».
Fratzscher setzt nun auf die Politik. «Die Rentenkommission macht lediglich Vorschläge, die Politik muss die Entscheidungen treffen. Die Vorschläge sollten nachgebessert werden, um vor allem die Grundrente zu stärken und armutsfester zu machen, große Einkommen und Vermögen im Alter stärker zu berücksichtigen und die Finanzierung auf nachhaltigere Füße zu stellen», forderte der DIW-Chef.