Kultur

DDR-Filme erhalten - ein Wettlauf gegen die Zeit

14.05.2026, 10:27

Vor 80 Jahren wurde die Filmgesellschaft der DDR gegründet. Noch heute sind viele Defa-Filme nicht digitalisiert. Dieses kulturelle deutsche Erbe zu erhalten, ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Von Julia Kilian (Text) und Bernd von Jutrczenka (Foto), dpa

Vor 80 Jahren wurde die einstige Filmgesellschaft der DDR, also des östlichen Teils des geteilten Deutschlands, gegründet, genannt Defa. Einer der bekanntesten Filme ist «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel», der Märchenklassiker läuft noch heute zu Weihnachten. Legendär sind auch «Die Mörder sind unter uns» mit Hildegard Knef, «Solo Sunny» mit Renate Krößner und «Die Legende von Paul und Paula».

Aber da gibt es natürlich noch viel mehr. Etwa 700 Spielfilme, 900 Animationsfilme und 2.000 Dokumentationsfilme sind damals entstanden, wie Stefanie Eckert erzählt. Sie leitet die Defa-Stiftung, die das Filmerbe von damals verwaltet. Die Filme lagern im Bundesarchiv. Und nicht alle sind bisher digitalisiert. Das wird mit der Zeit zum Problem.

«Die Filme halten eben nicht noch mal 100 Jahre durch», sagt Eckert und verweist zum Beispiel auf das Essigsäure-Syndrom. Selbst bei bester Lagerung gebe es Zersetzungserscheinungen. «Die kann man versuchen aufzuhalten», sagt sie. «Besser ist es aber, wenn man versucht, auch nachhaltig zu digitalisieren.» Das allerdings kostet Geld.

Rettung im Berliner Süden

Im Berliner Süden, in einem unscheinbaren Gebäude in Marienfelde, wird gerade wieder ein Film für die Nachwelt gesichert. Alte Filmrollen werden in Metalldosen angeliefert, von Experten überprüft, in der Filmwaschmaschine vorsichtig gereinigt und mit einem Scanner erfasst. Die Geräte in dem Zimmer sehen aus, als wäre man in einer Folge «Star Trek» gelandet.

Schauspielerin Katharina Thalbach war in «Die Leiden des jungen Werthers» noch ganz jung. Jetzt wird der Film von 1976 im Studio der Firma Eurotape digitalisiert. An Bildschirmen werden die Bilder noch vorsichtig farblich angepasst und es werden zum Beispiel Kratzer entfernt. Studioleiter Ralf Jesse und sein Team erklären detailliert die einzelnen Schritte.

Mehrere Zehntausend Euro koste die Digitalisierung eines Films, sagt Eckert. Seit 2019 hätten sie mit anderen Institutionen vom Förderprogramm Filmerbe profitiert, für das jährlich zehn Millionen Euro vorgesehen waren. Inzwischen aber seien die Gelder in etwa halbiert worden und es sei unklar, was nach 2028 passiere. Dann laufe das Programm aus.

«Ein Wettlauf gegen die Zeit»

Gemeinsam mit anderen Organisationen appelliert sie an die Politik, das Förderprogramm fortzusetzen. «Das Filmerbe ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres kulturellen Gedächtnisses und ein Spiegel der deutschen Geschichte», heißt es in einem Appell an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), die Bundesländer und die Filmförderungsanstalt (FFA).

«Die Sicherung dieser wertvollen Bestände ist ein Wettlauf gegen die Zeit und den physischen Verfall des Materials», heißt es in dem Schreiben. Filme, die nicht mehr gesehen würden und über die nicht mehr kommuniziert werde, seien ein «totes Erbe». Erst ein kleiner Teil des deutschen Filmerbes sei überhaupt digitalisiert, sagt Eckert. Bei Defa-Spielfilmen ist es inzwischen fast die Hälfte.

Bei der Stiftung werden immer wieder Filme angefragt, selbst aus Regionen wie Chile. Dass die Filme aus der DDR überhaupt so gesammelt vorliegen und im Bundesarchiv lagern - und nicht verstreut auf der Welt zusammengesucht werden müssen, ist der Tatsache geschuldet, dass es in der DDR eine Abgabepflicht für Filmmaterial gab.

Wo man die Filme heute sehen kann

Bis heute werden Defa-Filme im Fernsehen gezeigt. Besonders schön sei es auch, wenn man sie im Kino sehen könne, findet Eckert. Im Berliner Kino International - dem früheren Premierenkino der DDR - etwa sollen im Jubiläumsjahr regelmäßig Filme laufen. An diesem Wochenende können Kinos digitalisierte Klassiker zum Jubiläum auch lizenzfrei zeigen. Gegründet wurde die Defa am 17. Mai 1946.

«Wir arbeiten auch mit Plattformen wie YouTube oder anderen Sichtungsplattformen», sagt Eckert. Die Bibliotheksplattform Filmfriend zeige einige ihrer Filme, außerdem habe die Stiftung etwa den Kanal «Defa TV», den man über seinen smarten Fernseher aufrufen könne.

Mit Lizenzen verdient die Stiftung Geld, das sie dann in Projekte investieren kann. Mit den Fördergeldern könnten sie derzeit etwa 20 bis 30 Filme pro Jahr digitalisieren, sagt Eckert. Ohne das Förderprogramm Filmerbe seien es maximal ein bis zwei Filme im Jahr. Die Gefahr bestehe also, dass sich das Material in der Zwischenzeit zersetze. Der Essiggeruch.