Polizei
22-Jähriger stirbt nach Schüssen bei Verfolgungsfahrt
5.04.2026, 13:38
Bei einer Verfolgungsfahrt in Saarbrücken in Westdeutschland ist ein 22-Jähriger durch Polizeischüsse tödlich verletzt worden. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Sonntag. Ein weiterer Mann wurde demnach verletzt. Der 22-Jährige saß am Steuer des verfolgten Wagens.
Auf Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit, es sei «in den Bereichen Dudweiler und Herrensohr» gegen 1 Uhr in der Nacht zu einer Verfolgungsfahrt gekommen. Davor soll sich das Fahrzeug einer polizeilichen Kontrolle entzogen haben. «In einer Sackgasse soll bei einem Wendeversuch des verfolgten Fahrzeugs eine Polizeibeamtin verletzt worden sein», schrieb die Staatsanwaltschaft. Zuvor hatte das Boulevardblatt «Bild» berichtet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Sonntagmittag wurde die verletzte Polizeibeamtin aus dem Krankenhaus entlassen.
Zwei weitere Menschen im Auto
Anschließend sollen der Staatsanwaltschaft zufolge auf das «verfolgte und erneut flüchtende» Fahrzeug Schüsse abgegeben worden sein, das Fahrzeug sei daraufhin zum Stehen gekommen. In dem Auto befanden sich laut Behörde neben dem 22-Jährigen ein 23 Jahre alter Beifahrer und ein 19-Jähriger. Verletzt wurden demnach der Fahrer und der 19-Jährige, der hinten saß. Der 19-Jährige sei medizinisch versorgt worden.
Der 22 Jahre alte Fahrer sei schließlich seinen Verletzungen erlegen, hieß es. Weitere Einzelheiten teilte die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst nicht mit.
Spurensicherung und Kriminaltechnik vor Ort
Am Ostersonntag waren zahlreiche Polizeikräfte in der engen Straße im Einsatz, in der das verfolgte Auto offensichtlich zum Stehen gekommen war. Kriminaltechnik und Spurensicherung seien vor Ort, berichtete ein dpa-Fotograf. Der Bereich um die Sackgasse sei weiträumig abgesperrt und auf einer Seite ein Sichtschutz aufgebaut worden. Am Ende der schmalen Sackgasse befindet sich demnach eine Treppe.
In der Straße stand ein blaues Auto, davor und dahinter jeweils ein Polizeifahrzeug. In der Windschutzscheibe des blauen Autos war ein Loch zu erkennen. Das Fenster auf der Fahrerseite war kaputt.
«Ein Schusswaffeneinsatz ist quasi das allerletzte Mittel»
«Es gibt für den Schusswaffeneinsatz relativ detaillierte Regelungen im Polizeigesetz», sagte Tobias Singelnstein, Professor für Kriminologie und Strafrecht an der Goethe-Universität in Frankfurt, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Ein Schusswaffeneinsatz ist quasi das allerletzte Mittel. Wenn gar nichts anderes mehr geht oder funktioniert hat, erst dann darf die Schusswaffe eingesetzt werden.» Auch dann gelte, dass zuerst gegen Sachen und dann gegen Menschen geschossen werden solle.
Es sei allerdings extrem schwierig, überhaupt auf ein sich bewegendes Ziel zu schießen, sagte der Wissenschaftler. In der Ausbildung werde daher Polizisten beigebracht, auf die größte Fläche des Körpers zu schießen, nicht etwa Arme oder Beine. Ein «normaler Polizeibeamter» könne gar nicht so präzise schießen. «Wenn sich das Auto bewegt, ist das für jemanden, der normal befähigt ist, schwierig», sagte Singelnstein.
Zu den Details – wie viele Polizisten wie viele Schüsse abgaben – schwieg die Staatsanwaltschaft zunächst.
Im vergangenen Jahr hatte die Polizei bundesweit im Einsatz 17 Menschen erschossen, wie aus einer Auflistung der Fachzeitschrift «Bürgerrechte & Polizei/Cilip» hervorgeht, die vom Institut für Bürgerrechte und öffentliche Sicherheit herausgegeben wird.