Diplomatie
Scharfe Kritik von Israels Außenminister an Botschafter Seibert
23.03.2026, 14:37
Israels Außenminister Gideon Saar hat scharf auf einen X-Post des deutschen Botschafters Steffen Seibert reagiert. «Botschafter Seibert fällt es schwer, Angriffe auf Israelis zu verurteilen, ohne die Palästinenser zu erwähnen», schrieb Saar auf der Plattform X. «Gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter kommt – einer, der die israelisch-deutschen Beziehungen stärken wird.» Das israelische Außenministerium warf Seibert fehlende Empathie für Israel vor.
Kritik an Siedlergewalt kommt schlecht an
Seibert hatte am Sonntagabend in seinem X-Post von einem Tag der Trauer und Empörung nach dem Tod eines Israelis durch Hisbollah-Beschuss und hunderten Verletzten durch iranische Raketen gesprochen. Zugleich schrieb er über Siedlergewalt gegen palästinensische Dorfbewohner im Westjordanland und erwähnte dabei auch, dass es zuvor zum Tod eines Siedlers gekommen war.
Wegen der Kritik an Siedlergewalt warf Saar Seibert eine «Besessenheit» vor, die ihn hindere, den Tod eines Juden durch Palästinenser zu verurteilen.
Auswärtiges Amt hält Streit für ausgeräumt und stärkt Seibert
Das Auswärtige Amt in Berlin stellte sich klar hinter den deutschen Botschafter. «Es ist ganz klar, dass es auch die Aufgabe unseres Botschafters ist, Themen anzusprechen, bei denen wir Differenzen haben», sagte ein Sprecher. Außenminister Johann Wadephul habe Saar am Sonntagabend angerufen und betont, dass Seibert ein überzeugter Unterstützer Israels sei. «Damit ist die Sache auch ausgeräumt», ergänzte der Sprecher.
Er wies auf «die Dynamik von Streitgesprächen auf X» hin und sagte: «Das ist nicht das optimale Gesprächsformat, um Meinungsverschiedenheiten auszuräumen.» Deswegen habe Wadephul mit Saar direkt gesprochen. Die X-Konversation zwischen Saar und Seibert sei in dem mehr als halbstündigen Gespräch nur ein paar Minuten Thema gewesen. Der Minister habe auch erneut angesprochen, dass es ein deutlich entschiedeneres Vorgehen gegen Siedlergewalt im Westjordanland brauche. Wadephul selbst habe bei seinem jüngsten Besuch in Israel erklärt, dass hier Handlungsbedarf bestehe. «Und das macht auch Herr Seibert.»
Botschafter: Wir stehen an der Seite Israels
In einer Reaktion auf Saars X-Post betonte Botschafter Seibert, Deutschland stehe in dem gegenwärtigen Krieg gegen den Iran an der Seite Israels. Es habe die iranischen Angriffe auf israelische Zivilisten und den «verbrecherischen Einsatz von Streubomben öffentlich verurteilt», schrieb der Diplomat in seiner Erwiderung auf X. «Die Gewalt der Siedler bereitet uns, wie auch dem israelischen Präsidenten und anderen führenden Politikern, große Sorgen», fügte er hinzu.
Siedlergewalt hat seit Hamas-Terrorangriff zugenommen
Im Westjordanland haben die Angriffe extremistischer Siedler auf palästinensische Dörfer seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 deutlich zugenommen. Auch in der Nacht zu Montag war es zu Angriffen gekommen. Die israelische Zeitung «Times of Israel» zitierte einen Dorfbewohner in der Nähe von Nablus, dessen Haus nachts von Siedlern mit Brandsätzen und Steinen beworfen worden war: Die Familie habe nur auf das Dach des brennenden Gebäudes flüchten können. Erst als andere Dorfbewohner herbeigeeilt seien, seien die Siedler geflüchtet.
Im Westjordanland leben inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.