Großstudie
Studie: Rassismus in Behörden oft in Strukturen versteckt
18.02.2026, 14:51
Rassismus zeigt sich in deutschen Behörden einer Studie zufolge selten in offenen Anfeindungen. Vielmehr steckt sie in Routinen, Entscheidungsspielräumen und Organisationsstrukturen. Das belegt die vom Bundesinnenministerium geförderte Untersuchung «Institutionen und Rassismus» (InRa). Es handele sich um die bislang umfassendste empirische Untersuchung zu Rassismus in staatlichen Institutionen, teilte die federführende Universität Leipzig mit.
Über drei Jahre untersuchten Wissenschaftler an zehn Standorten Jobcenter, Ausländerbehörden, Polizei, Justiz, Gesundheits-, Jugend- und Ordnungsämter sowie die soziale Arbeit. Zudem wurden in einem Teilprojekt vier Bundesbehörden unter die Lupe genommen. Insgesamt besteht die Verbundstudie aus 23 Einzelprojekten.
Rassistische Diskriminierung auf verschiedenen Ebenen
Die Ergebnisse zeigten, dass rassistische Diskriminierung auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene nachweisbar sei – allerdings in unterschiedlicher Form und Intensität. Rassistische Diskriminierung zeige sich etwa in individuellen Einstellungen einzelner Mitarbeiter, in behördlichen Praktiken und Ermessensspielräumen oder im Umgang mit Beschwerden.
Die Wissenschaftler gaben 17 Handlungsempfehlungen ab. Dazu gehören unter anderem unabhängige Beschwerdestellen, die Ausweitung des Gleichbehandlungsgesetzes, verpflichtende rassismuskritische Fortbildungen, mehr Transparenz in behördlichen Entscheidungen sowie gezielte Förderung von Mitarbeitenden aus diskriminierten Gruppen.
Die Studie (2021–2024) wurde vom Bundesinnenministerium mit sechs Millionen Euro gefördert. Dabei kam das gesamte Methodenspektrum der Sozial- und Geisteswissenschaften zum Einsatz: quantitative Befragungen, qualitative Interviews, Gruppendiskussionen, teilnehmende Beobachtung in Behörden, Diskurs- und Inhaltsanalysen sowie vergleichende Dokumentenanalysen.