Fußball-Nationalmannschaft

Entscheidung und Ansage: Nagelsmann forciert WM-Plan

13.02.2026, 16:01

Der Bundestrainer legt sich auf einen Torwart fest, macht Füllkrug eine Ansage und hofft auf ein Comeback. Kurz vor dem Start des 100-Tage-Countdowns werden die WM-Planungen konkreter.

Von Arne Richter und Klaus Bergmann, dpa

Entscheidung für einen WM-Torwart, Hoffnung für zwei Offensivspieler und eine Ansage an einen Fan-Liebling: Das wieder einmal prickelnde Holland-Los in der Nations League war für Julian Nagelsmann nur eine kurze Ablenkung. Mit spürbarem Tatendrang macht sich der Bundestrainer nach dem kurzen Abstecher nach Brüssel gleich wieder an seine aktuelle Hauptaufgabe: die Planung für die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer. 

Viel Zeit bleibt nicht. Der 100-Tage-Countdown für das Turnier in Amerika ist in Sicht. Marc-André ter Stegen, Kai Havertz, Jamal Musiala, Niclas Füllkrug. An komplizierten bis tragischen Personalthemen mangelt es nicht. Die Baustellen bei der Nationalmannschaft werden vier Monate vor dem Turnieranpfiff in Houston gegen den krassen Außenseiter Curaçao am 14. Juni (19.00 Uhr/MESZ) nicht kleiner. 

«Klar ist aus Trainersicht das Wichtigste der Kader. Es gibt immer wieder Unwägbarkeiten», sagte Nagelsmann. In Brüssel äußerte sich der 38-Jährige nach der Auslosung der Nations-League-Gruppe mit den Niederlanden, Griechenland und Serbien für die zweite Jahreshälfte gleich zu mehreren wichtigen Themen. Die Zeit für Entscheidungen ist dabei gerade in einer wichtigen Frage augenscheinlich gekommen.

Der WM-Torwart

Nagelsmann hat sich auf seine Nummer eins für die WM praktisch festgelegt. Der Bundestrainer will Marc-André ter Stegen (33) aus Mitgefühl zwar noch nicht die letzte Hoffnung auf eine Turnier-Teilnahme rauben. Realistische Chancen sieht Nagelsmann nach der erneuten Operation des Schlussmanns aber nicht mehr und plant daher mit Oliver Baumann (35) als Stammtorwart für das XXL-Turnier mit erstmals 48 Nationalteams. 

«Es gibt im Prinzip, was die Torhüter-Thematik angeht, drei Fakten», sagte Nagelsmann. Diese führte er dann im Detail aus: Fakt eins sei, dass ter Stegen nach seinem Wechsel zum FC Girona erneut lange ausfalle. Fakt zwei sei, dass Manuel Neuer seinen DFB-Rücktritt nach dem Sieg des FC Bayern München im DFB-Pokalviertelfinale gegen RB Leipzig (2:0) unumstößlich bekräftigt habe. 

Fakt drei spricht für Baumann

«Und Fakt drei ist, dass Olli eine herausragend gute Saison spielt und es bei uns auch in der WM-Qualifikation herausragend gut gemacht hat und auch im März das herausragend gut machen wird. Die drei Fakten, glaube ich, sagen relativ viel aus», sagte der Bundestrainer. Nach seiner Rücktrittsbestätigung hatte DFB-Rekordtorwart Neuer dem Hoffenheimer Baumann auch schon viel Glück für die WM gewünscht. 

Nagelsmann wollte für ter Stegen «aus Respekt die Tür nicht ganz zu machen». Aber bei einer erwarteten Ausfallzeit bis deutlich nach den letzten WM-Testspielen vor der Kadernominierung in Basel gegen die Schweiz (27. März) und in Stuttgart gegen Ghana (30. März) fehlt dem Bundestrainer der Glaube für ein realistisches WM-Szenario. Es sehe «nicht rosig aus».

Der Fall Havertz

Ungeachtet der erneuten Verletzung von Havertz hofft Nagelsmann auf ein Comeback des Offensivspielers bei den ersten Länderspielen im WM-Jahr. «Er hat jetzt noch mal eine Nachuntersuchung nächste Woche. Dann wissen wir noch mal im Detail, was es ist. Aber generell glaube ich nicht, dass er so lange ausfällt, dass es für März knapp wird», sagte Nagelsmann. 

Havertz hatte nach langer Verletzungspause erst kürzlich sein Comeback für den FC Arsenal gegeben und mit Toren und Vorlagen für den Tabellenführer der englischen Premier League überzeugt. Eine erneute Muskelverletzung zwingt ihn nun offenbar für einige Wochen erneut zu einer Zwangspause. 

Für die DFB-Elf bestritt der 26-Jährige sein bislang letztes von 54 Länderspielen im November 2024. Anschließend fiel er wegen verschiedener Verletzungen und Operationen immer wieder aus. Für eine DFB-Nominierung im März müsse Havertz zuvor in einen gewissen Rhythmus kommen. «Er muss schon noch mal spielen bis dahin, dass er einfach auch 100 Prozent fit ist», sagte Nagelsmann. 

Der Fall Füllkrug

Die medialen Äußerungen von Füllkrug zu einer DFB-Rückkehr aus Italien hat Nagelsmann vernommen. Jetzt erwartet der Bundestrainer von dem bei den Fans beliebten Stürmer Antworten beim AC Mailand auf dem Platz. 

«Ich mag es, wenn ein Spieler Selbstvertrauen hat. Am Ende muss er Tore schießen, Torvorlagen haben und Minuten sammeln. Das ist wichtig für ihn», sagte der Bundestrainer. Seit der EM hat Füllkrug kaum im DFB-Trikot gespielt, war oft verletzt oder nach seinem Fehl-Wechsel zu West Ham United außen vor. 

Was für Füllkrug spricht: Stoßstürmer hat Nagelsmann kaum im Angebot. Der Gladbacher Tim Kleindienst ist seit langem verletzt. «Wir werden sicher, so viel kann ich verraten, einen Kopfballspieler vorne mitnehmen. Und jeder ist eingeladen: Tim wieder gesund zu werden, und der «Fülle» Tore zu schießen. Und nicht nur durch das Interview, sondern auch auf dem Platz weiterhin auf sich aufmerksam zu machen», sagte Nagelsmann deutlich.

Der Fall Musiala

Das behutsame Tempo beim Comeback von Musiala beim FC Bayern gefällt Nagelsmann. Dosierte Einsatzzeiten, ausreichend Ruhepause. Nur nichts überstürzen. Nach dem komplizierten Beinbruch bei der Club-WM im Sommer soll der 22-Jährige auf keinen Fall überstrapaziert werden. «Das ist der richtige Weg», sagte Nagelsmann und berichtete von muskulären Problemen des Offensivspielers vor den ersten Einsätzen. 

Die gute Form der Bayern hilft Musiala und dem Bundestrainer. «Ich glaube, wenn sie schlecht dran wären oder viele Spiele verlieren würden, würde er wahrscheinlich mehr spielen», vermutete der Bundestrainer. So könne Bayern-Coach Vincent Kompany Geduld haben und Musiala «langsam zu Kräften kommen». Richtig zaubern soll Musiala dann wieder bei der WM im Sommer.