Geschichte
2,8 Millionen Euro für Forschung zu kolonialem Sammlungsgut
6.02.2026, 15:35
Mit rund 2,8 Millionen Euro hat das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste im vergangenen Jahr Forschungsvorhaben zu Sammlungsbeständen aus der Kolonialzeit unterstützt. Zugesagt wurden Fördermittel für zwölf Projekte, wie die Stiftung in Magdeburg mitteilte.
Einen Schwerpunkt bilde die Forschung zu Sammlungsgut aus ehemals deutschen Kolonien, es gehe etwa um menschlichen Überreste und sakrale Gegenstände. Im Rahmen der Forschung rücke die Perspektive jener Menschen in den Vordergrund, deren Vorfahren von kolonialer Unterdrückung und Kulturgutentzug betroffen gewesen seien.
Menschliche Überreste aus der Kilimandscharo-Region
Beispiele: An der Universität Gießen startete jüngst ein Forschungsprojekt, das gemeinsam mit tansanischen Partnern aus der Kilimandscharo-Region entwickelt wurde, so das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste. «Dabei wird gezielt nach menschlichen Überresten und persönlichen Gegenständen namentlich bekannter Familien geforscht.»
Untersucht werden aber auch Objekte aus Mali, die aus Höhlen und Grabstätten geplündert worden sein sollen. Im Fokus des Projekts stünden mutmaßlich sakrale Grabbeigaben im Bestand der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Viele Museen kauften in England - Geschäftsunterlagen im Fokus
Australische Forscher und Experten der Universität Potsdam arbeiteten daran, Geschäftsunterlagen von Londoner Ethnografika-Händlern zu analysieren. Vielen deutschen Museen könne damit die Provenienzforschung erleichtert werden, denn sehr viele Häuser kauften zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in England, wie es hieß.
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste war zum 1. Januar 2015 von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden in Magdeburg gegründet worden. Es ist zentraler Ansprechpartner zu Fragen unrechtmäßig entzogenen Kulturguts. Das Hauptaugenmerk galt der Zeit des Nationalsozialismus. Im Januar 2019 ist das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste um einen Fachbereich für koloniale Kontexte erweitert worden.