Unter Zwang verkauft

Erbin und Museum einig - Pissarro-Gemälde bleibt in Bremen

3.04.2025, 14:42

Das Bild zeigt eine sommerliche Idylle, die Geschichte dahinter lässt in einen Abgrund blicken: Eine jüdische Familie musste das Gemälde verkaufen, um zu überleben. Wie es mit dem Bild nun weitergeht.

Ein unter Zwang im Zweiten Weltkrieg verkauftes Bild darf in der Kunsthalle Bremen bleiben. Das Museum einigte sich nach eigenen Angaben mit der Erbin des ehemaligen jüdischen Besitzers. Besucherinnen und Besucher können sich ab sofort das Gemälde des Impressionisten Camille Pissarro «Im Gras liegendes Mädchen» (1882) anschauen und sich über die Geschichte der verfolgten Familie informieren.

Verfolgte Familie musste Gemälde verkaufen

Die jüdisch-niederländische Familie van den Bergh hatte das Gemälde 1942 unter Druck verkauft, um sich vor der Verfolgung durch deutsche Nationalsozialisten zu retten. Das Ehepaar überlebte, ihre Töchter Rosemarie und Marianne wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs emigrierte die Familie in die USA und bemühte sich, das Gemälde zurückzubekommen - ohne Erfolg. 

Das Bild war während des Krieges in die Hände des Kunstsammlers und Kollaborateurs Hugo Oelze gekommen, ein deutscher Jurist aus Bremen, der in Amsterdam wohnte. Nach seinem Tod 1967 hatte er das Bild der Kunsthalle in seiner Heimatstadt vermacht.

Das Museum bemühte sich nach eigenen Angaben jahrelang, mehr über die Geschichte herauszufinden. 2016 konnte die Herkunft geklärt werden: Forschende aus den Niederlanden fanden das Rückerstattungsformular mit dem Namen des ehemaligen Besitzers. «Das war eine totale Sensation», erinnert sich die Bremer Provenienzforscherin Brigitte Reuter. 

Erforschung der Familiengeschichte als Entschädigung

Der niederländische Kunsthistoriker Rudi Ekkart nahm schließlich Kontakt mit der dritten Tochter des Ehepaars auf, die nach dem Krieg geboren wurde. Es seien viele Gespräche gewesen, berichtet Ekkart. Das Trauma sei für die Familie noch sehr präsent. «Eine Lösung war nicht einfach.» Neben einer finanziellen Entschädigung sei es der Erbin vor allem ein Anliegen gewesen, dass die Geschichte ihrer Familie erforscht und öffentlich bekannt wird. 

Das Bild wurde für vier Monate in Amsterdam ausgestellt, seit April ist es mit einem Text zum Schicksal der Familie in der Kunsthalle Bremen zu sehen. Außerdem veröffentlichten die Forscher ein Buch zur Geschichte des Gemäldes und seiner ehemaligen jüdischen Besitzer. «Ich sehe dieses Buch als Ehrung für meinen Vater, meine Mutter und meine Schwestern», schreibt die Erbin darin. «Es ist das kleine bisschen Leben, das ich Rosemarie und Marianne noch geben kann.»